Brustkrebs bei jungen Patientinnen

Bei rund 7% aller Betroffenen tritt Brustkrebs vor dem 40. Lebensjahr auf. Die Unsicherheiten in der Therapie junger Betroffener sind oft groß. Daher sollen die wichtigsten Punkte im Folgenden zusammengestellt werden:

Junge Frauen erkranken SELTEN an Brustkrebs. Tritt eine Erkrankung auf, handelt es sich allerdings oftmals um eine aggressive Form, die sehr häufig auch zu einem späteren Zeitpunkt erkannt wird, als dies bei Frauen nach den Wechseljahren der Fall ist.                                                                                                

Die spätere Diagnose hat zweierlei Gründe: Zum einen haben jüngere Frauen ein dichteres Brustdrüsengewebe, was neu aufgetretene Karzinome sowohl klinisch als auch in der Bildgebung „verstecken“ kann. Zum anderen wird oft nicht daran gedacht, dass auch junge Frauen an Brustkrebs erkranken können. Entsprechend werden Befunde banalisiert.

In den Medien wird oft beschrieben, dass jung erkrankte Frauen eine schlechte Prognose hinsichtlich ihrer Heilungschancen aufweisen. Dies ist etwas missverständlich ausgedrückt: Nicht das Lebensalter selbst ist für die schlechtere Prognose verantwortlich, sondern die häufig ungünstigere Tumorbiologie und die oft bei Diagnose schon fortgeschrittene Brustkrebserkrankung: Beides kann die Chance auf Heilung prinzipiell reduzieren.

Ganz wichtig: Schwangerschaft und Stillen schützt nicht vor Brustkrebs! Auch, wenn Brustkrebs extrem selten in der Schwangerschaft auftritt:  Wird eine tumorartige Veränderung der Brust bemerkt und lässt sich nicht sicher durch eine banale Ursache begründen, sollte diese immer abgeklärt werden, auch bei einer schwangeren oder stillenden Frau!

Zusammengefasst: Auch wenn Brustkrebs bei jungen Frauen selten auftritt sollte die Möglichkeit ins Auge gefasst werden.

Jeder neu aufgetretene Befund (veränderter Tastbefund, Schmerzen, blutig od. seröse Sekretion aus der Brustwarze, Hauteinziehung oder Hautverfärbung) muss unabhängig vom Alter in einer spezialisierten Einrichtung abgeklärt werden

Bei sehr vielen jungen Frauen lassen sich Unregelmäßigkeiten der Brustdrüse feststellen, viele imponieren subjektiv als „Tumor“.

Wichtig: Die Untersuchung der Brust ist nur kurz nach der Regelblutung wirklich aussagefähig. Die meisten anderen „Gnubbel“ sind einfach prominente Drüseninseln. Dennoch: sollte eine solche neu auftreten und länger als 4 Wochen bleiben, ist eine Klärung beim Frauenarzt zu empfehlen. Auch so genannte „Fibroadenome“ kommen mit gut 35% häufig bei fertilen Frauen vor. Hierbei handelt es sich um gutartige Veränderungen des Brustbindegewebes. Individuell können sogar mehrere Herde vorkommen. Gerade bei familiär gehäuft vorgekommenen Brustkrebsfällen sollten Sie die Gutartigkeit dieser Herde in einem kompetenten Brustzentrum bestätigen lassen.

Das Mammographiescreening beginnt erst mit 50 Jahren, da die Brustdrüse sich zu diesem Zeitpunkt aufgelockert hat und Auffälligkeiten bei den meisten Frauen im Rahmen der Mammographie erkannt werden können. Dies bedeutet andererseits, dass junge Frauen nicht regulär auf Brustkrebs untersucht werden: das Programm zur Krebsvorsorge sieht ausschließlich das Abtasten der Drüse vor. Größere Tumormifestationen können mit dieser Methode festgestellt werden, Frühstadien nur im Ausnahmefall. Entsprechend wichtig ist die Anamnese beim Frauenarzt oder Hausarzt: Sofern in der Familie gehäuft Krebserkrankungen aufgetreten sind, kann eine spezielle Beratung auf genetisch bedingte Erkrankungen vermittelt werden. Frauen mit rechnerisch erhöhten Risiko für Brustkrebs können an einem intensivierten Früherkennungsprogramm mit MRT der Brust, Ultraschall und ggf. auch Mammographie ab dem 25 Lebensjahr  teilnehmen. Außerdem wird Ihnen  unter bestimmten Umständen eine genetische Untersuchung angeboten. (s.a. „familiärer Brust- und Eierstockkrebs“).

Bei neu aufgetretenen, suspekten Herdbefunden der Brust ist das Vorgehen standardisiert:

  • ausführliche Anamnese zur aktuellen Symptomatik, vorbestehenden Erkrankungen und Operationen, familiäres Auftreten von Krebserkrankungen
  • sorgfältige Untersuchung inklusive Schwangerschaftstest
  • Mammasonographie und Mammographie bds.
  • Histologische Sicherung suspekter Befunde mit Hilfe einer Stanzbiopsie, entweder sonographisch oder mammographisch assistiert. Aufarbeitung der Probe mit immunhistochemischen Methoden zur Klärung des Tumortyps, um die optimale Therapie für Sie festlegen zu können
  • ggf. Organisation weiterer Untersuchungen, z.B. Echokardiographie, Computertomographie der Lunge und der Leber, Skelettszintigraphie
  • Vorstellen aller Befundergebnisse in der interdisziplinären Tumorkonferenz, Festlegung einer Therapie nach aktuellen Leitlinienempfehlungen und unter Berücksichtigung von Tumorbiologie, aller Befunde der Bildgebung, vorliegenden genetischen Befunden und körperlichen- sowie psychischen Befinden der Patientin.

Alle Empfehlungen werden eingehend mit der Betroffenen besprochen und -bei vorliegenden Einverständnis- umgesetzt.

Bei jungen Frauen ist vor jeglicher Therapie zunächst zu klären:

-Wurde die „Pille“ genommen oder hat die Patientin mit einer Hormonspirale verhütet? Beides muss bei Brustkrebs abgesetzt/ entfernt werden. Über eine alternative Kontrazeption wird beraten. Zu empfehlen ist z.B. die Kupferspirale oder Barrieremethoden.

-Müssen kleine Kinder versorgt werden? (Unterstützung im Haushalt kann bis zum 12. LJ. der Kinder bei der Kasse beantragt werden)

Besteht Beratungsbedarf in Hinblick auf Berufstätigkeit, Arbeitsplatz etc.? Besteht eine finanzielle Notsituation, sollten Hilfen beantragt werden?

-Muss die Patientin eventuell selbst mit Pflegebedürftigkeit rechnen? Dann is eine frühzeitige Anbindung an eine SAPV-Team wichtig

-Besteht Kinderwunsch? Dann sollte die Patientin über fertilitätserhaltende Maßnahmen informiert werden: zum einen über das Für und Wider einer medikamentösen Unterdrückung der Eierstockfunktion während einer ggf. erforderlichen Chemotherapie, zum anderen über die Möglichkeit der Kryokonservierung von Eizellen: Seit 2018 übernehmen die Krankenkassen die Kosten

-Ergibt die Familienanamnese Hinweise auf genetisch bedingten Brustkrebs u./o. ist die Patientin vor dem 36. LJ erkrankt bzw. vor dem 50. LJ am triple negativen Mammakarzinom?  Dann sollte eine genetische Beratung und ggf. Testung auf Hochrisikomutationen erfolgen, da das Ergebnis therapierelevant sein kann.

Anders, als landläufig angenommen, verbessert eine ultraradikale Operation nicht zwangsläufig die Heilungschancen. Dieser Grundsatz bezieht sich auf junge Frauen genauso, wie auf ältere Betroffene. Weltweit hat sich die Tendenz zur Brusterhaltung durchgesetzt. Ein sehr kleiner gesunder Randsaum („no ink on cells“) hat sich bei der Tumorentfernung als ausreichend erwiesen. Fester Bestandteil der Brusterhaltung ist die Bestrahlung der Brust und in einigen Fällen auch der Lymphabflusswege. Durch die Kombination Operation+Bestrahlung ist die lokale Sicherheit nach neuesten Studien sogar höher, als nach der einfachen Brustentfernung.                                                                                                        

Die Machbarkeit einer Brusterhaltung hängt nicht von dem Alter der Patientin, sondern von vielen anderen Kriterien ab (s.a.“was muss ich über die Brustoperation wissen?“).                                              

Zu jeder Krebsoperation gehört auch die Klärung des Lymphknotenbefalls. Anders als noch zur Jahrtausendwende wird die „Wächterlymphknotenuntersuchung“ als sicher betrachtet. Eine komplette Entfernung aller axillären Lymphknoten zu diagnostischen Zwecken ist heute opsolet- egal in welchen Alter!

 

Wann wird dennoch eine komplette Brustentfernung erwogen? Grundsätzlich wird die Brust bei inflammatorischen Brustkrebs und auch bei einer ungünstigen Relation von Brust- und Tumorgröße entfernt.

Bei jungen Frauen kann als Option noch die Operation bei genetisch verursachten Brustkrebs hinzukommen: Das Risiko, in der betreffenden Brust oder auf der Gegenseite erneut zu erkranken, ist bei nachgewiesenen high risk Mutationen erhöht. Durch die Entfernung der gesamten Brustdrüse auf beiden Seiten kann das Risiko eines lokalen Wiederauftretens deutlich reduziert werden. In einigen Studien hatte sich das auch auf die Überlebenszeit ausgewirkt. Das Für und Wider wird im Einzelfall immer erörtert, genauso, wie jegliche Möglichkeiten des Wiederaufbaus.

Junge Frauen erhalten überproportional häufiger eine Chemotherapie: zum einen, weil sie häufiger an so genannt triple negativen oder HER2 überexprimierten Brustkrebs erkranken, zum anderen, weil der Tumor bei Ersterkrankung im Durchschnitt weiter fortgeschritten ist und zum dritten, weil auch tumorgenetische Testungen bei Hormonrezeptor positiven Brustkrebs in vielen Fällen die Indikation zur Chemotherapie bestätigen.

Die Chemotherapie wird vorzugsweise vor einer Operation empfohlen: Die Wirksamkeit der Behandlung kann anhand der Tumorgröße nachvollzogen werden. Auch für die spätere Operation ist die Verkleinerung des Tumors natürlich von Nutzen (Operation in den neuen Grenzen des Tumors). Gerade bei jungen und sonst gesunden Frauen wird weltweit die intensivierte und dosisdichte Applikation der Chemotherapie bevorzugt: Die  in kürzerer Zeit durchgeführte Behandlung ist für die Frau zwar anstrengender aber auch signifikant wirksamer.

Die Wahl der Medikamente orientiert ich an dem Tumorcharakter:

Triple negativ (unabhängig von allen Faktoren gewachsen): 4x Epirubicin/Cyclophosphamid gefolgt von Paclitaxel  in Kombination mit Carboplatin für weitere 12 Wochen.                                                              

In besonderen Fällen: Additive Therapie mit Checkpointinhibitoren („Immunaktivierungstherapie“). Wurde der Tumor bis zur Operation durch die Chemotherapie nicht komplett beseitigt, wird nach Abschluss der Lokaltherapie eine Tablettenbehandlung mit Capecitabin empfohlen.

HER2 positiv: 6x Carboplatin alle 3 Wochen in Kombination mit speziellen Antikörpern gegen HER2: Trastuzumab und Pertuzumab. Zusätzlich wöchentlich Paclitaxel.                                                      

Im Anschluss an die Operation richtet sich die weitere Therapie nach dem Ansprechen und der primären Ausdehnung des Tumors:                                                                                                                                 

Wurde der komplette Tumor durch die Medikamente beseitigt und waren die Lymphknoten bei Diagnose frei: Komplettierung der Antikörpertherapie für insgesamt 34 Wochen

Waren die Lymphknoten befallen, aber kein Resttumor mehr vorhanden: Komplettierung mit beiden Antikörpern für 34 Wochen.

Wurden nach der Operation noch Tumorreste gefunden: Komplettierung für 14 Monate mit einem noch recht neuen Medikament: Kadcyla® (Kopplung von Trastuzumab mit einem Medikament, was direkt in die Zellen transportiert wird)

Hormonrezeptor positiv, HER2 negativ: Eine Chemotherapie mit 4x Epirubicin / Cyclophosphamid gefolg von 4x Paclitaxel alle 2 Wochen oder 12x Paclitaxel wöchentlich wird indiziert, wenn Lymphknoten befallen waren oder ein durchgeführter tumorgenetischer Test ein erhöhtes Rezidivrisiko bewiesen hat.                                                                                                                                                  

Alle Hormonrezeptor positiven Frauen erhalten unabhängig von der Chemotherapie eine antihormonelle Therapie. Standardempfehlung ist Tamoxifen für 5 Jahre, bei erhöhten Rezidivrisiko für 10 Jahre. Sehr jungen Frauen von < 36 Lebensjahren wird begleitend eine medikamentöse Unterdrückung der Eierstockfunktion für bis zu 5 Jahre empfohlen- vor allem dann, wenn die Chemotherapie nicht zu einem Versiegen der Eierstockfunktion geführt hat. Im Einzelfall kann statt Tamoxifen (verdrängt weibliche Hormone) auch ein Aromatasehemmer indiziert werden (hemmt die Bildung von weiblichen Hormonen).                                                                                                                   

Ganz wichtig: Die antihormonelle Therapie kann das relative Rezidivrisiko um bis zu 50% reduzieren- aber nur bei regelmäßiger Einnahme! Wirksame Medikamente haben meist auch Nebenwirkungen. Setzen Sie die Substanzen bitte nicht einfach ab. Besprechen Sie Beschwerden bei Ihrem Arzt, lassen Sie sich ggf. auch in Ihrem Brustzentrum beraten. Es gibt mehr Möglichkeiten, Nebenwirkungen zu bekämpfen, als man denkt!

Alle Therapien und Schemata finden Sie unter www.ago-online.de Leitlinie Mammakarzinom. Auf der Homepage ist auch ein jährlich aktualisierter Patientinnenratgeber  zu finden.

Die Empfehlungen zur Nachsorge ähneln denen, die älteren Patientinnen gegeben werden: Das Ziel der Nachsorge besteht in dem frühzeitigen Erkennen eines Wiederauftretens der Erkrankung. Früh erkannt ist diese nämlich weiterhin heilbar. Im Rahmen der Nachsorge werden Sie zudem regelmäßig körperlich untersucht, um Einschränkungen durch die bereits erfolgten Therapien zu erkennen und zu behandeln. Die Verträglichkeit noch laufender antihormoneller  Medikamente wird geprüft, Nebenwirkungen besprochen und behandelt. Alle 3 Monate veranlasst Ihr Frauenarzt eine Mammographie/ Mammasonographie. In regelmäßigen Abständen sollen auch die Leberwerte, das Blutbild, die Blutsalze und die Knochendichte kontrolliert werden. Weitergehende Untersuchungen wird Ihr Arzt bei länger als 3 Wochen persistierenden, nicht erklärlichen Beschwerden veranlassen.

Wir empfehlen all unseren Patientinnen eine besondere Beachtung gesundheitserhaltender Maßnahmen:                                                                                                                                                                          Diese beinhalten unter anderem

  1. körperliche Aktivität für wenigstens 150min/ Woche,  Ausdauertraining und Gymnastik         

  2. ausgewogene vitaminreiche Ernährung mit schadstoffarmen Gemüse, Fleisch und Fisch, wenig Weißmehl und Zucker

  3. Substitution von Vitamin D3 in ausreichender Menge

  4. Vermeidung von Überlastung genauso wie Unterforderung

  5. Psychoonkologische Unterstützung bei entsprechenden Bedarf                              

Der nachsorgende Arzt wird auf mögliche besondere Probleme der jungen Frau achten und Sie damit nicht alleine lassen: Therapiebedingte Nebenwirkungen, Körperbildveränderungen, Stimmungsschwankungen, Affektlabilität, fehlende sexuelle Lust, Auswirkungen der Erkrankung auf die Familienplanung und das Familienleben,  Einschränkungen im Berufsleben und nicht zuletzt die erlebte Einschränkung der Belastbarkeit, der Kraft, der Vigilanz, der Konzentration könnten Sie beeinträchtigen.

In der Nachsorgesprechstunde können Sie eventuelle Beschwerden ansprechen und sich Rat holen. Oft hilft zudem der Kontakt mit ebenfalls Betroffenen in Selbsthilfegruppen. Inzwischen werden viele Internetgruppen, speziell auch für junge Frauen angeboten. Adressen finden Sie weiter unten.         

Nicht selten geben Mütter an, dass ihre Kinder eine Unterstützung zur Bewältigung ihrer Ängste benötigen. Auch für die Kinder gibt es inzwischen zahlreiche Anlaufstellen, wo sie individuelle Hilfe erhalten können. Ein sehr gutes Konzept hat die Stiftung Rexrodt von Fircks entwickelt: Sie bietet gemeinsame Kurmaßnahmen für Mutter und Kind, in deren Rahmen beide therapeutische Angebote nutzen können.

Die Therapie bei nachgewiesenen Metastasen ist immer sehr individuell. Grundsätzlich hat sich die Prognose von Frauen mit Metastasen seit einigen Jahren erheblich verbessert- vor allem wegen der zahlreichen neu entwickelten spezifischen Substanzen, die Charakteristika der Tumorzellen gezielt als Angriffspunkte ausnutzen. Heute ist es nicht selten, dass Frauen über Jahre bei guter Lebensqualität trotz „chronischen Brustkrebs“ überleben.

Eine  histologische Sicherung der Metastase ist immer anzustreben: Es besteht die Chance, mit speziellen immunhistochemischen und inzwischen auch molekulargenetischen Untersuchungen Angriffspunkte für spezielle Medikamente nachzuweisen. Um nur einige zu nennen:                             

  1. HER 2 Nachweis: Einsatz spezifischer Antikörper bzw. Antikörper-Chemotherapiekonjugate, Tyrosinkinaseinhibitor wie Tucatinib

  2. Hormonrezeptor: Behandlung mit Zellzyklusmodulatoren und antihormoneller Therapie

  3. Triple negativer Brustkrebs und Nachweis von PDL1: Checkpointinhibitor als Immunstimulierende Therapie

  4. BRCA1/2 als Keimbahnmutation: Parp-Inhibitoren

  5. P53 Mutation: mTOR Inhibitor u.v.m.

Ein bestehender Kinderwunsch ist bei der Therapieplanung zu berücksichtigen und primär zu erfragen. Nach bisherigen Erfahrungen anhand von zahlreichen Krankengeschichten wird die Prognose von Brustkrebs durch eine Kinderwunschbehandlung vor Therapiebeginn nicht verschlechtert- inbesondere dann nicht, wenn die Stimulation mit Hilfe von Aromatasehemmern („costless-Schema“) erfolgt und ein Anstieg der Estrogenserumlevel verhindert wird. Die Therapiekosten und auch die Kosten für das Einfrieren von Eizellen werden von der Krankenkasse übernommen (5/2019). Bei bestehenden Kinderwunsch erfolgt die zeitnahe Überweisung an ein Fertilitycenter.

Einige Studien haben sich mit der Frage auseinandergesetzt, ob die medikamentöse Unterdrückung der Eierstockfunktion deren Funktion während der Chemotherapie schützen könnte. 2019 wurde eine Metaanalyse von Lambertini et al. veröffentlicht, deren Ergebnisse darauf hinweisen, dass die so genannten GnRH Analoga eine chemotherapiebedingte vorzeitige Menopause verzögern können. Allerdings reicht die Qualität der Daten nicht aus, um zu beweisen, dass Schwangerschaften nach Abschluss aller Therapien häufiger eingetreten sind.                                                                                     

Frauen mit unerfüllten Kinderwunsch sollte daher vor der Krebstherapie immer die sicherste Option empfohlen werden- und das ist die Kryokonservierung von vor der Chemotherapie aservierten Eizellen.

Auch eine Schwangerschaft NACH Brustkrebs verschlechtert NICHT die Prognose, auch nicht bei Hormonrezeptor positiven Brustkrebs.  Sollte eine Patientin eine Schwangerschaft nach Brustkrebs aktiv und dringlich anstreben, wäre ebenfalls auf die Möglichkeiten von „Fertiprotekt“ hinzuweisen, um auf „junge“ Eizellen zurückgreifen zu können.                                                                                          

Eine antihormonelle Therapie sollte vor dem Anstreben einer Schwangerschaft für wenigstens 1-2 Jahre umgesetzt worden sein, optimal wären fünf Jahre. (Es gibt allerdings keine Daten, die eine Verschlechterung der Prognose abhängig von dem Zeitpunkt der Schwangerschaft beweisen würden).                                                                                                                                                                

Eine antihormonelle Therapie muss pausiert werden, sobald der Kinderwunsch aktiv umgesetzt werden soll. Auch das Ende einer Chemotherapie oder Antikörpertherapie sollte wenigstens 6 Monate zurückliegen. Eine eventuelle Bestrahlung muss bereits einige Monate abgeschlossen sein. Nach Geburt des Kindes sollte eine antihormonelle Therapie möglichst frühzeitig wieder aufgenommen- und für insgesamt 10 Jahre komplettiert werden.                                                             

Die Frage des Stillens ist individuell zu diskutieren und gegen die weitere Verlängerung der antihormonellen Pause abzuwägen.

Während der Schwangerschaft können Ulraschalluntersuchungen und MRT Untersuchungen durchgeführt werden, auch Stanzbiopsien sind jederzeit möglich.

Allenfalls Röntgenuntersuchungen sind zurückhaltend zu indizieren. Allerdings sind  Röntgenuntersuchungen inklusive Mammographien bei dringlicher Indikation ab Beginn des 2. Trimenons  (nach 14 Schwangerschaftswochen) grundsätzlich möglich. Eine  so genannte Knochenszintigraphie wird üblicherweise in der Schwangerschaft nicht durchgeführt.

Eine Brustkrebs-Operation kann während der Schwangerschaft inklusive Sentinelbiopsie durchgeführt werden. Eine Markierung mit Patent-blau ist nicht erlaubt, mit Technetium 99 allerdings unbedenklich.

Die Chemotherapie ist während der Schwangerschaft nach Abschluss des ersten Trimenons dosisgerecht entsprechend der Leitlinien möglich.                                 

Eine Antikörpertherapie mit Trastuzumab oder Pertuzumab, eine antihormonelle Therapie, eine immunmodulatorische Therapie oder auch der Einsatz von Bevacizumab, Checkpointmodulatoren oder Zellzyklusmodulatoren ist nicht zugelassen. Die Bestrahlung der Brust nach brusterhaltender Therapie ist in Deutschland ebenfalls nicht zugelassen.

Die Chemotherapie sollte während der Schwangerschaft nicht dosisdicht erfolgen, da das Risiko einer Anämie signifikant erhöht wird. Aus gleichen Gründen ist eine additive Chemotherapie mit Carboplatin in Kombination mit Paclitaxel sehr zurückhaltend zu empfehlen. Grundsätzlich wird die Dosis auf Basis der Körperoberfläche berechnet, der das jeweilige aktuelle Körpergewicht, nicht das Gewicht VOR der Schwangerschaft  zugrunde gelegt wird.

Vor Beginn einer Chemotherapie sollte eine Fehlbildungsdiagnostik (1. Und 2. Ultraschallscreening, PreNa-Test) und eingehende Beratung der Eltern hinsichtlich der Risiken einer Chemotherapie während der Schwangerschaft erfolgen. Im Wesentlichen ist auf die erhöhte Inzidenz der Frühgeburtlichkeit und auf das erhöhte Risiko  peripartaler Komplikationen  einzugehen.   

Die Schwangerschaft ist während der Chemotherapie in Kooperation mit den Pränatalmedizinern zu überwachen:                                                                                                                                              

Neben der Überwachung der fetalen Entwicklung müssen mindestens alle 3 Wochen Frühgeburtsbestrebungen ausgeschlossen werden.  Die Chemotherapie ist nach der 35. SSW zu beenden oder zu pausieren. Sofern die Chemotherapie postpartal fortgesetzt werden muss, sollte die Geburt nach 37+0 SSW zur Vermeidung einer zu langen Chemotherapiepause eingeleitet werden (alternativ primäre Sectio). Grundsätzlich ist-   bei fehlenden sonstigen Kontraindikationen-  die Spontangeburt anzustreben.

Vor der Geburt sollte Kreuzblut abgenommen werden, Transfusionen auf Abruf bereitgestellt werden. Wegen des erhöhten peripartalen Infektionsrisikos ist eine peripartale Antibiose indiziert. Ebenso eine Blutungprophylaxe mit Tranexamsäure, 3x 1g für 48h postpartal.

Viele Frauen möchten gern Stillen. Grundsätzlich spricht nichts dagegen- sofern nicht dringliche onkologische Therapien komplettiert werden müssen oder eine Bestrahlung ansteht.

Sie werden in jedem Fall intensiv und regelmäßig von unserem spezialisierten Team beraten.

Siegel und Zertifikate des Carl-Thiem-Klinikums

Das CTK ist bestrebt, ständig die Qualität der medizinischen Behandlung, die Patientenfreundlichkeit und den Service zu verbessern. Unsere Zertifikate und Qualitätssiegel sind für uns die Anerkennung unserer bisherigen Bemühungen.