Wissenswertes zur Brust-Operation

  1. Sie haben einen Tumor getastet, mit Hilfe einer Gewebeuntersuchung wurde ursächlich eine Brustkrebserkrankung festgestellt.

  2. Im Rahmen der Früherkennung hat der Radiologe nicht tastbare Auffälligkeiten in der Mammographie gesehen. Eine Gewebeprobe hat eine bösartige Neubildung oder auch ein Vorstadium einer solchen bewiesen

  3. Sie haben eine genetische Risikokonstellation (BRCA 1) und sich zu einer vorsorglichen Entfernung der Brust entschieden (zu dieser besonderen Situation beraten wir Sie gern in einem besonderem Gespräch)     

  4. Sie leiden unter einer so genannten Gigantomastie und wünschen sich eine Verkleinerung der Brüste

  5. Ihre Brüste sind sehr unterschiedlich gewachsen

Für Punkt 4 und 5 müssen Sie sich vor einer Operation begutachten lassen, damit Ihre Krankenkasse um die Kostenübernahme gebeten werden kann. Nicht alle Kassen sind mit der Übernahme der Kosten einverstanden. Einige Patientinnen möchten den Eingriff in diesem Fall selbst bezahlen, was natürlich auch möglich ist.

Die Operation der Brust dient der Entfernung des Tumors. Im gleichen Eingriff wird in der Regel der erste Lymphknoten der Abstrombahn aus der Achsel entnommen: Das Ergebnis dieser Untersuchung ist wichtig für die individuell auf die Ausdehnung und Biologie Ihres Tumors abgestimmte Therapie.

Noch vor einigen Jahren ging man davon aus, dass ein großer Sicherheitsabstand für die Heilung erforderlich sei. Brustkrebs wurde sehr radikal operiert, oft sogar der Brustmuskel entfernt. Auch die Achsellymphknoten wurden komplett ausgeräumt. Für die Frau bedeutete diese Vorgehensweise gravierende Nebenwirkungen. Nicht nur, dass sie den Verlust ihrer Brust zu betrauern hatte, gleichermaßen musste sie fast immer unter einer erheblichen Schwellung des Armes leiden, dem so genannten Lymphödem.

Heute hat man dank der Auswertung von tausenden Krankheitsverläufen weltweit gelernt, dass die knappe Entfernung des Tumors („no ink on cells“ = keine Markierungstinte an den Tumorzellen bei der pathologischen Aufarbeitung) ausreicht. Auch eine rein diagnostische Entfernung sämtlicher Achsellymphknoten wäre heute ein Behandlungsfehler. Wir wissen, dass die Untersuchung des Wächterlymphknotens für die weitere Therapieplanung ausreicht.                                                                   

Ausnahme: Auffällig vergrößerte Lymphknoten sollten auch heute noch komplett entfernt werden. Dies gilt dann allerdings nicht als Diagnostik, sondern als Therapie.

Sofern Tumorzellen im Wächterlymphknoten nachgewiesen wurden, wird in bestimmten Fällen ebenfalls die Entfernung weiterer Lymphknoten empfohlen:

  • wenn eine Chemotherapie vorausgegangen ist und dennoch Tumorzellen in Lymphknoten persistierten

  • wenn eine Brustentfernung und keine Bestrahlung vorgesehen ist

  • wenn mehr als 2 Lymphknoten betroffen waren

Die Entfernung des Tumors ist bei 80% der Betroffenen brusterhaltend möglich. Fester Bestandteil der Brusterhaltung ist – bis auf spezielle Ausnahmen- eine Strahlentherapie der Brust für ca. 3 Wochen. Durch die Kombination von Brusterhaltung und Strahlentherapie ist ein lokales Wiederauftreten des Tumors nach aktueller Studienlage seltener, als nach Brustentfernung.

Bei etwa 20% unserer Patientinnen ist die Brustentfernung erforderlich. Einigen Patientinnen wird auch nach einer kompletten Brustentfernung die Strahlentherapie empfohlen.

Die Brusterhaltung ist unter folgenden Bedingungen möglich:

  • Passende Relation von Brustgröße und Tumorgröße

  • Ausschuss von „entzündlichen Brustkrebs“

  • Die Patientin ist darüber informiert, dass eine Zweitoperation möglich werden könnte

  • eine Strahlentherapie wird grundsätzlich akzeptiert

  • Z.n. Voroperationen/ Vorbestrahlungen der Brust: individuelle Abwägung der Vor- und Nachteile (persönliches Gespräch)

Die Brustentfernung kann erforderlich sein:

  • Bei mehreren Tumorherden, verstreut über die gesamte Brust

  • Bei einer ungünstigen Relation von Brustgröße und Ausdehnung des Tumors bzw. seines Vorstadiums

  • Bei bereits erfolgter Bestrahlung und wiederaufgetretenen Tumor

  • Bei mehrfachen Nachresektionen und nicht im Gesunden entfernten Tumor

  • Bei Kontraindikationen gegen eine Strahlentherapie und erwarteter Überlebenszeit > 10 Jahre

  • Wunsch der Patientin, z.B. bei genetischer Risikokonstellation

Unser Ziel ist es, Sie so gut zu informieren, dass Sie auf alles, was mit der Operation und der Zeit danach im Zusammenhang steht, optimal vorbereitet sind. Dazu gehört im Falle der Brusterhaltung auch die Klärung der Schnittführung:

Wo würde die Narbe Sie am wenigsten stören? Was ist machbar? Bietet sich eine gleichzeitige Brustverkleinerung oder auch Bruststraffung an? Muss eventuell eine Angleichung der Gegenseite erwogen werden?

In der Regel treten nur geringe Schmerzen nach Brustoperationen auf, so dass Sie voraussichtlich nur wenige Medikamente benötigen.

 Dagegen kann sich im Verlauf „Wundwasser“ bilden, was das vorsorgliche Einlegen einer Drainage für wenige Tage erforderlich macht. Eventuell muss das so genannte „Serom“ auch punktiert werden, um die optimale Heilung zu gewährleisten. Eine Punktion über die Narbe ist immer schmerzfrei.

Bei jeder Operation können Wundheilungsstörungen oder auch thromboembolische Ereignisse auftreten. Sie werden vorsorglich entsprechende Medikamente erhalten. Auch Nachblutungen können bei jedem Eingriff vorkommen. Dem kann durch sorgfältige Blutstillung und postoperativ durch einen straffen Wickel entgegengewirkt werden. Nach brusterhaltenden Eingriffen werden Sie zudem aufgefordert, für wenigstens 4 Wochen einen gut sitzenden und straffen BH zu tragen: Es gibt für die Brust keinen besseren Verband!

Zweitoperation:                                                                                      

Gerade bei nicht tastbaren Tumoren oder begleitenden Vorstadien von Brustkrebs ist es nicht immer möglich, die Ausdehnung der Erkrankung bei der Operation sicher abzugrenzen. Erst der Pathologe kann nach Spezialfärbungen genau sagen, ob sich einzelne Tumorzellen zu dicht an dem Schnittrand befinden.

Dank der sehr guten Radiologie sind in unserem Brustzentrum Zweitoperationen selten: Bevor Sie in den Operationssaal gefahren werden, kann die Radiologin den Tumor markieren und dadurch den nicht tastbaren Tumor für den Operateur darstellen. Die Bilder werden gemeinsam durchgesehen. Danach ist es dem Operateur möglich, die Schnittbereiche im Sinne des „so viel wie nötig, so wenig wie möglich“ festzulegen.  Die Radiologin röntgt das herausgeschnittene Präparat während der Operationszeit und teilt dem Operateur mit, ob suspekte Strukturen zu dicht am Schnittrand liegen. Der Operateur kann dann sofort gezielt Gewebe entfernen.

Tastbare Tumorherde werden während der Operation von dem Pathologen im Hinblick auf die Schnittränder beurteilt, so dass die Erkrankung fast immer im Gesunden entfernt wird.

Sollte bei Ihnen eine Brustentfernung indiziert sein, so wird mit Ihnen über Möglichkeiten der Rekonstruktion gesprochen. Je nach Art der Brustentfernung kommen verschiedene Techniken in Frage, die Ihnen im Detail anhand von Bildmaterialien erklärt werden.

Im Wesentlichen kann die Rekonstruktion im gleichen Eingriff oder auch zu einem späteren Zeitpunkt geplant werden. Ein Aufbau ist mit einem Silikonimplantat möglich,  alternativ auch mit Eigengewebe, zum Beispiel mit Gewebe aus dem Bauch (s.g. Diep-flap) oder aus dem Po (I-GAP, S-GAP).

Bei jeder Patientin bestehen unterschiedliche Bedingungen in Hinblick auf die Form und die Größe der Brust, ihren Wünschen und natürlich auch in Hinblick auf vorhandene zusätzliche körperliche Risiken (Zuckerkrankheit, Gefäßerkrankungen, Rheuma, Herzerkrankungen u.v.m).

Deshalb muss immer eine individuelle Planung nach ausführlichen Informationen über jeweilige Vor- und Nachteile erfolgen.

Im CTK besteht eine Kooperation mit der Plastischen Chirurgie, geleitet von Herrn Professor Kaprohl, der Ihnen für die Eigengewebslappen mit mikrochirurgischer Gefäßanastomose beratend zur Seite steht.

Siegel und Zertifikate des Carl-Thiem-Klinikums

Das CTK ist bestrebt, ständig die Qualität der medizinischen Behandlung, die Patientenfreundlichkeit und den Service zu verbessern. Unsere Zertifikate und Qualitätssiegel sind für uns die Anerkennung unserer bisherigen Bemühungen.