


Anforderung
Probenentnahme und -transport
Probenmaterial
Probenröhrchen
Einflussfaktoren und Störgrößen
Besondere Hinweise
Anforderungsbelege und Untersuchungsmaterialien müssen eindeutig zuzuordnen sein (z. B. Barcode-Aufkleber oder korrekte Beschriftung). Korrekturen dürfen nicht durch das Laborpersonal, sondern nur vom Einsender vorgenommen werden. Bei Unstimmigkeiten erfolgt eine telefonische Benachrichtigung des Einsenders durch Mitarbeiter des Labors. Bei nicht lösbaren Unkorrektheiten erfolgt eine Zurückweisung des Untersuchungsmaterials.
Empfohlene Reihenfolge der Blutentnahmen:
Für den Probentransport innerhalb des Carl-Thiem-Klinikums kann, wo verfügbar, die Rohrpost oder der Hol- und Bringedienst in Anspruch genommen werden. Für externe Einsender steht zu vereinbarten Zeiten ein Probentransportservice zur Verfügung.
Nicht im Institut für Laboratoriumsmedizin durchgeführte Untersuchungen werden von unserem Institut versandt. Diese Befunde werden sofort nach Eingang von unserem Institut den Einsendern zur Verfügung gestellt.
Die Art des Materials sowie die notwendige Menge (Einzeluntersuchung) sind bei jedem Untersuchungsparameter im Leistungskatalog angegeben. Röhrchen können für alle Untersuchungsverfahren als Vacutainer oder Monovette bei der Apotheke angefordert werden.
Serum
Die Mehrzahl der klinisch-chemischen Untersuchungen wird im Serum durchgeführt. Dabei handelt es sich um den zellfreien Anteil von Vollblut, der nach Ablauf der spontanen Gerinnung (Dauer ca. 30 min) verbleibt.
Anwendung für klinisch-chemische, immunologische und infektionsimmunologische Untersuchungen.
Zwischen Probenentnahme und Zentrifugation der Vollblutproben sollte nicht mehr als eine Stunde liegen. Die Einsendung von Vollblut (auswärtige Einrichtungen) sollte nur in Ausnahmefällen durch Kurierdienste erfolgen, da infolge von Hämolyse, Diffusion sowie Stoffwechsel der Erythrozyten eine Reihe von Parametern falsch hoch oder falsch niedrig gemessen werden (z.B. Kalium, LDH, Glukose, Laktat, Eisen u.a.). Bei Verwendung von Gelröhrchen ist das Überführen des Serums in ein neues Röhrchen nicht notwendig, sonst wird diese Vorgehensweise empfohlen.
EDTA-Blut
Durch Zugabe von EDTA als Antikoagulanz kann der Gerinnungsprozess des Blutes verhindert werden. Dies wird durch Bindung der Ca-Ionen erreicht. Nach Zentrifugation des Blutes erhält man EDTA-Plasma.
EDTA-Blut ist geeignet für hämatologische, blutgruppenserologische und molekulargenetische Untersuchungen, sowie einige spezielle klinisch-chemische Parameter (Ammoniak, ACTH, u.a.).
Für blutgruppenserologische Untersuchung werden mindestens 3 ml Probenvolumen (große EDTA-Röhrchen) benötigt, für hämatologische Untersuchungen sind 2 ml (kleinere EDTA-Röhrchen) ausreichend.
Citrat-Blut
Durch Zugabe von Citrat als Antikoagulanz kann der Gerinnungsprozess des Blutes verhindert werden. Dies wird durch Bindung der Ca-Ionen erreicht. Nach Zentrifugation des Blutes erhält man Citrat-Plasma.
Citratblut/-plasma ist geeignet für Gerinnungsuntersuchungen inkl. der Verschlusszeitmessung und Thrombozytenaggregation.
Bei längerem Probentransport (auswärtige Einsender) sollte gefrorenes Citrat-Plasma eingesendet werden.
Für eine Thrombozytenfunktionsdiagnostik und die Verschlusszeitmessung ist Citratvollblut erforderlich.
Für Neugeborene und Kinder können BD-Vacutainer mit kleineren Füllmengen (1,8 oder 2,7 ml) genutzt werden. Die Anwendung dieser Röhrchen wird bei Erwachsenen allerdings nicht empfohlen.
Für die Verschlusszeitmessung am PFA 100 sind Gerinnungsröhrchen, die 3,8% Na-Citratzusatz enthalten erforderlich. Am CTK ist diese Bedingung durch Verwendung der BD-Vacutainer im Routineeinsatz erfüllt. Bei Verwendung von Sarstedt-Monovetten müssen spezielle Gerinnungsröhrchen für PFA 100 verwendet werden.
Bei Anforderung einer Verschlusszeit zur Wirkkontrolle von Thrombozytenaggregationshemmern ist die Angabe des eingesetzten Medikamentes (ASS, Clopidogrel oder Prasurgel) erforderlich.
Röhrchen für Verschlusszeitmessung und Thrombozytenfunktionsteste dürfen nicht zentrifugiert werden und sollten schnellstmöglich ins Labor gebracht werden.
Heparinblut
Durch Zugabe von Heparin als Antikoagulanz kann der Gerinnungsprozess des Blutes verhindert werden. Dies wird durch Antithrombinaktivität erreicht. Nach Zentrifugation des Blutes erhält man Heparin-Plasma.
Heparinblut/-plasma kann für klinisch-chemische, zytogenetische oder spezielle Analysen genutzt werden.
Für die Bestimmung von Spurenelementen werden spezielle Röhrchen für Metallanalytik benötigt (Lithium- oder Natriumheparinat).
Na-Fluorid-Blut
Hierbei handelt es sich um Vollblut, welches nach Punktion mit Na-Fluorid versetzt wird. Dadurch wird die Glykolyse und Laktatentstehung gehemmt.
Verwendung finden diese Röhrchen zur Bestimmung von Glukose, Laktat und Homocystein.
Kapillarblut
Wird durch Punktion von kapillarreichem Hautgewebe (Fingerbeere, Ohrläppchen) gewonnen. Das Blut wird in heparinbeschichteten Kapillaren oder Mikrogefäßen (mit EDTA-beschichtet) gesammelt.
Anwendung findet dies bei der Überwachung des Glukosespiegels bei Patienten mit Diabetes mellitus, zur Blutgasanalyse, Gerinnungsanalysen (Quick) oder Blutbildkontrolle.
Aufgrund der kleinen Blutmenge und der einfacheren Blutgewinnung ist Kapillarblut besonders bei Neugeborenen und Kleinkindern als Untersuchungsmaterial zu empfehlen. Spezielle Abnahmesysteme für Kinder können angefordert werden.
Zu beachten ist, dass einige Analyte Unterschiede zu venösem Blut aufweisen:
HINWEIS:
Gefrorene Proben: Nur Plasma oder Serum darf einfroren werden (kein Vollblut). Eine genaue Angabe des Materials ist unbedingt erforderlich!
2. Morgenurin/Spontanurin
Als Spontanurin sollte idealerweise der 2. Morgenurin vom nüchternen Patienten gewonnen werden. Der Urin enthält dann noch keine Metabolite aus früheren Mahlzeiten und liefert somit einen Durchschnittswert einzelner Parameter. Die Ergebnisse sollten, zur besseren Beurteilung, auf die Kreatininausscheidung bezogen werden. Für qualitative Untersuchungen kann auch Spontanurin genutzt werden, der unabhängig von der Tageszeit gewonnen wurde.
Der Urin sollte als sogen. Mittelstrahlurin gewonnen werden, d. h. während der Miktion wird die mittlere Portion des Harns aufgefangen. Die erste, durch Bakterien der Urethra kontaminierte und die letzte Portion werden verworfen.
Im Spontanurin erfolgen klinisch-chemische Untersuchungen, Teststreifenanalyse, Erythrozytendifferenzierung, Schwangerschaftstest, Drogenscreening sowie Proteindiagnostik.
Urin sollte umgehend ins Labor transportiert werden, besonders bei Fragestellung bzgl. Erythrozytendifferenzierung und Zylindersuche muss das Material innerhalb einer Stunde im Labor sein (Bitte Miktionszeit angeben).
24-h-Sammelurin
Die Sammlung des 24-h-Sammelurins sollte am ersten Tag nach Verwerfen des 1. Morgenurins beginnen. Die Uhrzeit ist zu notieren. Sämtliche folgenden Urinproben sind in einem Sammelgefäß zu sammeln. Die letzte Portion sollte der 1. Morgenurin des folgenden Tages sein, der etwa zu gleichen Uhrzeit gewonnen wird. Die Sammelmenge ist zu notieren. Der Urin muss im Anschluss gut durchmischt werden und ein Teil des Sammelurins kann dann in kleinere Portionen (in Urinmonovetten) überführt und zur Analyse ins Labor gebracht werden.
24-h-Sammelurin eignet sich für quantitative klinisch-chemische Untersuchungen und zur Proteindiagnostik.
Für bestimmte Untersuchungen ist es notwendig den Sammelurin anzusäuern bzw. zu alkalisieren. Dafür können im Labor Sammelbehälter mit den entsprechenden Zusätzen angefordert werden:
Bei abweichender Sammelperiode, z.B. 12h, die Sammelzeit, Körpergröße und Gewicht des Patienten auf dem Anforderungsschein vermerken.
Für die meisten Untersuchungen werden nur geringe Mengen Stuhl benötigt. Es genügt eine bohnengroße Menge in die Stuhlröhrchen zu überführen und zur Analyse zu schicken.
Zum Nachweis von okkultem Blut im Stuhl gibt es spezielle Testbriefe. Auf der Patientenseite ist eine kleine Stuhlprobe aufzutragen, im Anschluss ist das Testfeld wieder zu verschließen und der Testbrief ins Labor zu senden.
Zu beachten ist, dass zahlreiche Störfaktoren das Ergebnis falsch positiv oder negativ verfälschen können. Die Einhaltung von Verhaltensregeln und Diätvorschriften ist unbedingt erforderlich.
Für einige Untersuchungsverfahren ist es notwendig 24-h-Sammelstuhl zu gewinnen. Dafür gibt es spezielle Sammelgefäße. Nach der Sammelperiode muss die Probe gut durchmischt und 2 Löffelproben in ein Stuhlröhrchen überführt werden. Das Sammelstuhlgewicht ist auf dem Anforderungsbeleg zu vermerken.
Die Gewinnung des Materials erfolgt in der Regel durch Punktion des Spinalkanals (lumbal), seltener aus der Cisterna cerebello-medullaris (Subokzipital) oder der Hirnventrikel (ventrikulär) bei neurochirurgischen Eingriffen. Da sich Ventrikel- und Lumballiquor in ihrer Zusammensetzung unterscheiden ist die Entnahmestelle unbedingt anzugeben. Der Liquor sollte, je nach gewünschten Untersuchungen in 2-3 Polypropylenröhrchen aufgefangen werden. Des Weiteren ist es notwendig zeitnah (innerhalb von 30 min), je nach gewünschter Untersuchung 1-2 Serumröhrchen vom Patienten abzunehmen. Genauer Informationen entnehmen Sie bitte dem Anforderungsbeleg für Liquoruntersuchungen.
Anforderungen von klinisch-chemischen Untersuchungen und von infektionsserologischen Untersuchungen (Bearbeitung im Institut für Mikrobiologie und Krankenhaushygiene) sind in einem Auftrag zu stellen.
Liquor sollte umgehend ins Labor transportiert werden.
Für zytogenetische Untersuchungen und FACS-Analysen im Knochenmark sind bei der Probengewinnung Heparin-Röhrchen zu verwenden. Nach Entnahme sollte das Material sofort gut gemischt werden.
Für molekulargenetische Untersuchungen ist EDTA als Antikoagulanz zu verwenden.
| Inhalt | Farbcodierung der Röhrchen | Verwendung | |
|---|---|---|---|
| Vacutainer der Fa. Becton Dickinson | Monovette der Fa. Sarstedt | ||
| Serum mit Trennhilfe | gelb | braun | Klin. Chemie, Infektionsserologie, Immunologie |
| Serum ohne Trennhilfe | rot | weiß | Toxikologische Suchanalyse |
| Serum für Spurenelemente | dunkelblau | weiß | Spurenelemente |
| Li-Heparinblut | grün | orange | Spezialanalytik, Durchflusszytometrie, Genetik (außer PCR) |
| Fluoridblut | grau | gelb | Lactat |
| EDTA-Blut | violett | rot | Hämatologie, Genetik (nur PCR), spez. klin.-chem. Untersuchungen, Immunhämatologie |
| EDTA-Blut für Spurenelemente | dunkelblau | Spurenelemente (Blei, Selen) | |
| Citratblut (1:10) (3,8% Tri-Natrium-Citrat + Zitronensäure) | blau | blau | Gerinnung, Thrombozytenfunktion |
| Citratblut (1:10) (3,2% Tri-Natrium-Citrat + Zitronensäure) | blau | grün | Gerinnung |
| Urin | ocker | gelb | Untersuchungen aus Spontan-/Sammelurin |
| Sammelurin | Sammelbehälter 2l (mit/ ohne Zusätze) | Untersuchungen aus Sammelurin | |
| Liquor | Spezialröhrchen Polypropylen | Untersuchungen aus Liquor | |
| Stuhlröhrchen | Stuhlröhrchen | ||
Systeme zur Kapillarblutabnahme:
| Probenröhrchen mit EDTA-Zusatz (Fa. KABE) | rot | Hämatologische Bestimmungen |
| PST Plasmaröhrchen mit Trenngel (Fa. Becton Dickinson) | hellgrün | CRP-Bestimmung |
| Probengefäß (Fa. Recipe) | lila | HbA1c-Bestimmung |
| Kapillare (20 µl) | Blutzuckerbestimmung | |
| Kapillare, heparinisiert (140 µl) | Kapillare, heparinisiert (140 µl) |
Einflussfaktoren und Störgrößen sind präanalytische Faktoren, die die Messwerte bereits vor Analyse in vivo oder in vitro beeinflussen.
Einflussgrößen verändern die Konzentration bzw. Aktivität eines Parameters unabhängig von der Analysenmethode. Störgrößen beeinflussen die Analysenmethode oder bewirken in vitro eine Veränderung von Konzentration bzw. Aktivität.
Auf wichtige Einflussgrößen für einzelne Untersuchungen wird im Leistungsverzeichnis hingewiesen.
| Einflussgrößen | Störgrößen |
| Alter Geschlecht Rasse Genetische Disposition Schwangerschaft Körpergewicht Körperlage Tageszeit Entnahmeort Körperliche Aktivität Ernährung Alkohol Nikotin Medikamente Drogen | Kontamination Hämolytische, lipämische und/oder ikterische Seren bzw. Plasmen Geronnen Materialien Fehlende/unzureichende Kühlung oder Kühlung von Material, welches nicht gekühlt werden sollte (Aggregation, PFA, Flowzytometrie) Eingefrorene Vollblutproben |
Hämolyse
Bei der Hämolyse kommt es zur Zerstörung der Erythrozytenmembran mit Austritt von Hämoglobin u. a. intrazellulären Bestandteilen ins Blutplasma bzw. Serum. Ab einer Hb-Konzentration von > 200 mg/l kann die Hämolyse mit dem bloßen Auge wahrgenommen werden.
Die Hämolyse kann innerhalb (intravasal) oder außerhalb (extravasal - während oder nach Blutentnahme) der Blutgefäße entstehen.
Hämolytische Proben können die Bestimmung einiger Parameter stören, u. a.:
Wird im Labor eine Hämolyse im Serum/ Plasma festgestellt, können u. U. nicht alle Parameter bestimmt werden. Es erfolgt eine telefonische Benachrichtigung des Einsenders und eine Information auf dem Befundausdruck. Eine neue Blutprobe mit erneuter Anforderung der gewünschten Parameter sollte eingeschickt werden.