Freundlichkeit ist kein Geheimnis
Aus: Wir im Thiem 1/2009
„Kann ich Ihnen helfen?“ Schwester Bettina geht auf den etwas verloren im Gang stehenden älteren Mann zu. Er habe Krankenunterlagen vom Hausarzt und möchte sie jetzt seiner Frau bringen, nur wo...? Schwester Bettina nimmt ihm den Umschlag ab, bringt ihn ins Zimmer der Patientin. Ihre Station ist eigentlich eine Etage höher, sie ist nur zufällig auf der F1, aber sich auch hier um Patienten oder ihre Angehörigen zu kümmern, das ist doch keine Mühe, ist selbstverständlich...
Die Mitarbeiterinnen der Frauenklinik haben bei der Patientenbefragung neben denen einiger anderer Stationen, besonders viel Lob von den Patientinnen erhalten. Für gute Pflege, Zuwendung, Freundlichkeit. „So richtig überrascht hat mich das nicht“, sagt Schwester Simone, „wir bemühen uns seit Jahren, eine gute Arbeit zu machen, haben einen guten Ton auf unseren Stationen, untereinander und im Kontakt mit den Patientinnen. Das spüren die Patienten, und das lassen sie uns auch wissen.“ Was wiederum die Schwestern freut.
Gibt es ein Geheimnis dabei, eine Methode, die andere vielleicht noch nicht kennen?Jana Lobedan, Pflegeleiterin in der Frauen- und der Kinderklinik, Simone Krahn, Gruppenleiterin auf F1/F2, und Bettina Hating, Gruppenleiterin von F3/F4, schauen sich an, lachen. „Geheimnis würde ich nicht sagen“, schmunzelt Schwester Simone, „Wir halten es zunächst mit den einfachen Regeln des Umgangs miteinander. Stellen uns vor, klopfen an die Tür, bevor wir ein Patientenzimmer betreten, grüßen. Selbstverständlichkeiten! Und wir lassen halt nichts auflaufen, wenn jemand Ärger mit sich rumschleppt, versuchen im Team die Probleme zu klären, bevor sie zu den Patienten rüberschwappen. Das sind kranke Menschen, denen gehört Fürsorge und Zuwendung, und die kriegen sie bei uns. Auch wenn das im Tagesbetrieb manchmal nicht einfach ist.“Schwester Jana, die Pflegeleiterin erinnert an die Pflegevisiten, die regelmäßige Weiterbildung, das Autogene Training in Stresssituationen. „Wir bieten vielfältige Möglichkeiten, die helfen sollen, die wachsenden Anforderungen der Pflege zu meistern . mit dem Patienten im Fokus, denn um den geht es ja bei unserer Arbeit.“ Sie könnte sich vorstellen, dass man mit den Teams auch anderer Kliniken viel mehr als bisher in Erfahrungsaustausch treten könnte: Wie macht ihr es? Wie baut ihr Stress im Team ab, was passiert, wenn jemand seinen persönlichen Frust bei der Arbeit auslebt? Wie kommuniziert man miteinander, wie mit den Ärzten, mit den Angehörigen? Die durchaus differenzierten Ergebnisse aus der Patientenbefragung sollten dazu Anregung sein.